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»Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.«  – Femizide in der Literatur

»Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.« Mit so einer Rose vergleicht sich die junge Bürgerstochter Emilia Galotti in Gotthold Ephraim Lessings gleichnamigen Drama, nachdem sie von ihrem eigenen Vater erstochen wird, der die Familie so vor Schande bewahren will. Ein unvorstellbares Verbrechen, auch wenn Vater Odoardo die Tat im Einverständnis mit seiner Tochter aus Verzweiflung heraus begeht, um sie vor dem Schicksal zu bewahren, in die Hände des lüsternen Prinzen von Gustalla zu fallen. Aus heutiger Perspektive wirkt das alles recht überzogen und so lässt die Lektüre uns einigermaßen ratlos zurück. Natürlich kann man jetzt sagen: „Das war früher halt so, damals hatte man noch sehr altmodische Vorstellungen von Sitte und Ehre“. Aber dass diese vermeintlich altmodischen Vorstellungen, die oft in der Tötung von Frauen enden, gar nicht so selten sind, wie gedacht – weder in den Lektürevorgaben des Deutschunterrichts, noch in der Realität – damit hat sich die 10c im Rahmen eines Projektes über Femizide in der Literatur beschäftigt.

Mithilfe verschiedener Quellen (u.a. von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Weißen Ring) erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler zunächst eine eigene Defintion des Femizidbegriffs, sahen sich aktuelle Fallzahlen an und setzten sich mit dem 8-Stufen-Modell der Kriminologin Jane Mockton Smith auseinander, das verschiedene Eskalationsstufen häuslicher/partnerschaftlicher Gewalt abbildet. Anschließend befassten sie sich mit der Tötung weiblicher Figuren in Lessings Drama „Emilia Galotti“, Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“ und Hauptmanns Erzählung „Bahnwärter Thiel“ und der Funktion, die diese Tötungen erfüllen. Meist wird durch die Ästhetisierung des gewaltsamen Todes der Frau die Tragik in der Existenz des Mannes verdeutlicht. Die männlichen Figuren können durch die Tötung entweder scheitern oder sich wandeln, in jedem Fall werden in diesen Darstellungen gewaltvolle Strukturen kanonisiert, die bis heute gesellschaftlich verankert sind und medial verharmlost werden. So titeln Medien immer noch gerne „Familientragödie“ oder „Eifersuchtsdrama“, wenn Männer aufgrund von vermeintlichem eigenen Scheitern ihre Ehefrauen, Partnerinnen oder sogar ihre ganze Familie umbringen.

Das Ziel des Projektes ist es, ein Bewusstsein für diese nach wie vor existierende Problematik zu schaffen und die Schülerinnen und Schüler dafür zu sensibilisieren. Die gelungenen Ergebnisse sind in den nachfolgenden Lernlandkarten und Plakaten festgehalten worden.

Das GGM bedankt sich ganz herzlich bei Frau Bongartz und der Klasse 10c für ihr Engagement und ihren wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung des Themas „Femizide in der Literatur.

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