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Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 begleiten die Verlegung von Stolpersteinen in Moers PDF Drucken E-Mail

Bereits seit 2013 werden in Moers im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Stolpersteine verlegt. Der Künstler Gunter Demnig verlegt vor den letzten selbstgewählten Wohnorten dieser Menschen Gedenktafeln aus Messing im Boden. Bereits im vergangenen Jahr haben Schülerinnen und Schüler des Grafschafter mit Beiträgen an der Verlegung teilgenommen.

So wurde auch in diesem Jahr die Verlegung der Stolpersteine des Ehepaars Bär von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 begleitet. Sie berichteten aus dem Leben der Familie Bär.
Dr. Oskar Bähr, geb. am 1.5.1856 in Mayen war Rabbiner. Er kam Ende 1934 mit seiner Frau Madchen, geb. Wertheim, geb. am 23.5.1863 nach Moers um in der Nähe seiner Kinder zu sein. Sie lebten im Haus Kirchstraße 4, an dem auch zwei Stolpersteine zu ihrem Gedenken niedergelegt wurden. Rabbiner Dr. Bähr soll in der Pogromnacht versucht haben zu verhindern, dass die Synagoge geschändet wurde.
Dr. Hermann Bähr, geb. am 13.11.1882 und  seine Frau Helene Bähr, geb. Haas, geb. am 21.4.1893 in Borken kamen Ende 1920 nach der Heirat nach Moers. Sie lebten im Haus Kirchstr. 48.
Dr. Hermann Bähr war als praktischer Arzt in Moers bei Juden und Nichtjuden sehr beliebt.
Am 25.2.1922 wurde Günther Bähr als einziges Kind geboren.
Alle Mitglieder der Familie Bähr haben in Moers die Pogromnacht erlebt.
Dr. Hermann Bähr war letzter Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Moers.

Schon mehrere Jahre vor ihrer Deportation mussten die Familien Bähr ihre bisherigen Wohnungen verlassen und auf engstem Raum mit anderen Moerser Juden in Häusern leben, die nun als sogenannte „Judenhäuser“ bezeichnet wurden. So lebten die Eheleute Dr. Hermann Bähr in der Repelener Str. 2, die Eheleute Dr. Oskar Bähr in der Burgstr. 16.
Die Stadt Moers hat vor einigen Jahren die Straße, an der das Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus liegt, nach Dr. Hermann Bähr benannt.

Im Juli 1942 wurde Oskar Bähr von Moers zusammen mit seiner Frau Madchen, seinem Sohn Hermann und dessen Frau Helene nach Theresienstadt deportiert, wo Oscar Bähr am 18.10.1942 und seine Frau am 5.3.1943 starben. Todestag und -ort seines Sohnes Herrmann sind unbekannt, dessen Frau Helene wurde in Auschwitz ermordet.

Der Sohn von Hermann und Helene, Günther Bähr besuchte die jüdische Volksschule und das Gymnasium Adolfinum in Moers. 1939 ging er zur „Hachscharah“, einer zionistischen Organisation in verschiedene Ausbildungsgüter.
Im Frühjahr 1943 wurde er vom Landwirtschaftslager Neuendorf nach Auschwitz-Buna deportiert.
Anfang 1945 wurde dieses Zwangsarbeiterlager evakuiert. Günter Bähr war mit einem Freund aus Moers, Werner Coppel, auf dem Todesmarsch von Auschwitz nach Gleiwitz. Am Abend des 20. Februar 1945 waren die Häftlinge in einen Stollen bei Landeshut (Niederschlesien) getrieben worden. In der Nacht ereignete sich hier eine Katastrophe. Die Türen waren verschlossen, die Häftlinge gerieten in Panik und versuchten herauszukommen. Am Morgen waren viele tot, darunter auch Günther Bär. Erstickt oder zu Tode getreten.

Insgesamt werden 2015 in Moers 22 Stolpersteine an verschiedenen Orten verlegt. Die Veranstaltung wurde von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. und dem Verein Erinnern für die Zukunft vorbereitet.


Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. Dezember 2015 um 22:17 Uhr