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GGM im Gespräch mit Herrn Präses Schneider am 10.03.2011 PDF Drucken E-Mail

Fotos und Plakat zur Veranstaltung am 10.03.2011


Schule

Heimspiel für Nikolaus Schneider

WAZ/NRZ Moers, 10.03.2011, Gabi Gies


Moers. Schüler des Grafschafter Gymnasiums diskutierten mit einem offen und humorvoll agierenden EKD-Ratsvorsitzenden.

Am einprägsamsten sind Antworten, wenn sie kurz und spontan sind. Ob er auch Pfarrer geworden wäre, wenn er hätte zölibatär leben müssen, fragte eine Schülerin des Grafschafter Gymnasiums den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, gestern morgen in der Aula. „Definitiv nicht“, antwortete der wie aus der Pistole geschossen. Das war aber noch eine der einfacheren Fragen, denen sich der Präses stellen musste. „Liberal – liberaler – evangelische Kirche“ lautete dieses Mal das Motto der Reihe „GGM im Gespräch“. Ob Ökumene, Afghanistan oder Kirchensteuer: Schneider traf auf gut vorbereitete Schüler, die fair diskutierten.

„Ich habe hier ganz heimatliche Gefühle, ich war mal Pfarrer in Moers“, erzählte Schneider den Schülern zur Begrüßung, ehe es mit dem Schüler-Moderatorenduo Sascha Lang und Lisa Breßer zur Sache ging. Ob die evangelische Kirche nicht zu liberal sei, lautete gleich eine der ersten Fragen. Manchmal wünsche er sich schon, er hätte die Macht eines Bischofs, gestand Schneider. „Andere sind manchmal schneller als wir.“ Dennoch sei Liberalität eine Stärke. „Für uns ist Wahrheitsfindung ein kommunikativer Prozess.“


Manchmal fehlt ein scharfes Profil


Dass ein solcher wie bei der Diskussion um den Umgang mit Homosexualität schon mal zehn Jahre dauern kann, schilderte Schneider anschließend mit einer guten Portion Selbstironie, aber auch mit dem Hinweis darauf, dass das erzielte Ergebnis die Kirche befriedet habe. Eine Schwäche des Systems sei allerdings, dass die evangelische Kirche in manchen Fragen „kein scharfes Profil“ habe.

Die Verteidigung der Kirchensteuer als „geniales System“: Das überraschte nicht wirklich. Spannender war da Schneiders Aussagen zur Integration: „Ich wünsche mir einen Islam, der aus unserer Gesellschaft erwächst.“ Warum er dann Kritik an der Kölner Moschee geäußert habe, so eine Zwischenfrage. Seine Kritik habe sich vor allem an der Bauweise festgemacht. „Diese Moschee war konzipiert wie eine Festung.“ Anders die Marxloher Moschee, die völlig offen sei. „Die lädt ein zur Begegnung.“ Nach seinem Urteil zum Afghanistan-Einsatz gefragt, blieb Schneider vorsichtig: „Ich bin dort hingefahren, weil Käßmann gesagt hat: ,Nichts ist gut in Afghanistan.’ Ich distanziere mich davon nicht.“ Trotzdem lobte er den zivilen Wiederaufbau. Es sei vor allem eine pastorale Reise gewesen. „Es gab ein Angebot des damaligen Verteidigungsministers. Ich habe abgelehnt.“ Was die Erfolgsaussichten des Einsatzes angeht, hielt er sich zurück: „Das kann alles noch scheitern.“

Ob er niemals an Gott zweifle – eine Frage, auf die Schneider sehr persönlich antwortete. Seine jüngste Tochter Meike starb vor sechs Jahren an Leukämie, über ihren Tod und ihr Leiden schrieb er gemeinsam mit seiner Frau ein Buch.

Worüber er mit dem Papst sprechen werde, wenn der im September nach Deutschland kommt? Auch über schwierige Themen? „Ich weiß nicht, ob es leichte Themen gibt, die man mit dem Papst bespricht, es sei denn, man redet übers Wetter“, sagte Schneider schmunzelnd. Aber in der Tat sei man diesbezüglich gerade in der Diskussion.

Mit viel Applaus verabschiedeten die GGM-Schüler einen offenen und humorvoll diskutierenden Präses. Der gab das Kompliment zurück: „Ich habe selten erlebt, dass so viele Menschen so lange konzentriert dabei waren.“




Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. März 2011 um 18:38 Uhr