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Das Europa-Konzept des Grafschafter Gymnasiums PDF Drucken E-Mail

I. Das Projekt „Europaschule“

Als wir unsere Schule schon vor etlichen Jahren die „Bunte Schule“ in Moers genannt haben, ging es uns nicht nur um die immer präsenten Hauptakzente unseres Schullebens - „persönlich, kreativ, überschaubar“ - , sondern auch um die bewusste und intensiv gepflegte Offenheit für Europäisches, in Sprachen, Kulturen und Lebensweisen.

Dieses Bewusstsein für gedankliche und kulturelle Vielheit hat uns bewogen, unsere Europaverbundenheit noch markanter nach außen zu dokumentieren und unsere Ausrichtung auf die differenzierte Wahrnehmung und praktische Vertiefung europäischer Sprachen und Lebensformen noch stärker zu verdeutlichen. In diesem Sinne heißt „bunt“ bei uns auch „europäisch vielfältig“, mit einer großen Palette internationaler Kontakte, Interessen und Perspektiven.


II. Der Schwerpunkt unseres Konzeptes: ‚Neuzeit’ als gelebtes Modell

Europa ist nicht nur ein geographischer Rahmen, in dem sich ein loser politischer Verbund verschiedenster Staaten über einen langen historischen Prozess hindurch gebildet hat, sondern vor allem ein Kulturraum, der sich von anderen Kulturräumen durch ein klares Konzept von ‚Modernität’ und ‚Neuzeitlichkeit’ abhebt. Europa ist das Zentrum der Neuzeit, in dem die radikale Aufwertung des Einzelnen, im Denken, Fühlen und Handeln bis heute in unvergleichlicher Weise tonangebend geblieben ist und in dem die Hoffnung auf aufgeklärte Selbst- und Weltgestaltung alle Teilkulturen, über alle Sprachgrenzen hinweg, erfasst.

„Neuzeit“ ist damit kein abstraktes Konzept, sondern es ermöglicht Schülerinnen und Schülern, sich immer wieder mit der zentralen Errungenschaft einer selbstbestimmten Lebensplanung auseinanderzusetzen – gegen all jene Formen äußerer Autoritäten, die ohne vernünftige Begründung Einschränkungen verlangen könnten.

Auf diese Weise ist mit dem gemeinsamen europäischen Selbstverständnis auch der wesentliche Unterschied ins Spiel gebracht, der Europa in seinen differenzierten Teilkulturen betrifft: Lebensformen und Sprachen. Die Anerkenntnis dieser Differenz, die Notwendigkeit sich in diese Unterschiede positiv respektierend einzufinden, das kulturell Andere zu verstehen und andere Sprachen als notwendige Brücken zur Nachbarkultur zu erlernen, wird damit zum Ergänzungsstück eines neuzeitlichen Selbstverständnisses.

Nicht eine gemeinsame ‚lingua franca’ steht damit im Fokus, sondern der Vielfalt der aufgeklärten europäischen Kulturen mit der Bereitschaft zum Sprachenlernen zu entsprechen: dies ist das kulturelle Hauptziel eines modernen europäischen Orientierungsansatzes. In diesem Sinne ist das Europakonzept des Grafschafter Gymnasiums ein ‚moderner kultureller Pluralismus’, der auf das ‚Bunte’ ausgeht, ohne es ins Beliebige zu zerfasern.

So folgen nicht nur die Europathemen des Grafschafter Gymnasiums dieser Ausrichtung mit ihrem neuzeitthematischen Spektrum (ästhetisch (Film), politisch (Utopie), naturgebunden (Naturschutz), historisch (Staatsformen: Antike bis Neuzeit)), sondern auch die fremdsprachigen Module haben sich diesem Leitthema intensiv verschrieben.

Unter der Neuzeitrubrik werden insbesondere die Umwälzungen vielfältigster Lebensformen und Orientierungsmuster (individuell, beruflich, ökonomisch, staatlich, ästhetisch) ins Visier genommen und miteinander verwoben. Damit wird der Gefahr begegnet, solche fremdsprachigen Module unsystematisch zu streuen und ohne sachgerechten Anschluss anzubieten. Die Einbindung vieler Module in diese neuzeitbezogene Thematik ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, ihre Kenntnisse schlüssig zu erweitern und zugleich in einen Bildungsrahmen zu integrieren, der für Jahrzehnte Nachhaltigkeit verspricht.


III. Bilinguale Angebote 

a) Das Modul-Konzept am GGM

Nach welchem Grundmodell bilingual zu unterrichten sei, war einige Jahre in der Schul- und Bildungslandschaft nicht unumstritten. Dem bilingualen Zweig, der kontinuierlich eine Fremdsprache in mindestens einem Sachfach bis zum Abitur betont, standen die Befürworter eines variablen Modulmodells gegenüber, in dem zeitbegrenzte fremdsprachige Module in verschiedene Sachfächer eingebaut werden.

Vor- und Nachteile beider Konzepte sind erkennbar, der bilinguale Zweig verlangt aber zudem eine sehr spezifisch fachgebundene Personalausstattung, über die nicht alle Schulen von vornherein (oder in angemessener Zeit) verfügen können, was die Entwicklung und Einrichtung eines solchen Zweiges schwieriger gestaltet.

Die wissenschaftlich begleitende Forschung im CLIL-Feld (content and language integrated learning) hat in die letzten Jahren zu einer erheblichen Ausbreitung und Vertiefung bilingualer Modulansätze im europäischen Schulumfeld geführt, so dass das Unterrichten mit bilingualen Sequenzen aus dieser Perspektive den Charakter eines europäischen Projektes annimmt. Das Grafschafter Gymnasium hat sich diesen neuen Entwicklungen schon früh angeschlossen und die Richtung verfolgt, sprachpluralistisch zu arbeiten und bilinguale Module in den Sprachen Französisch und Englisch zu erproben. 

Diese Erprobungsphase hat sich über etliche Jahre erstreckt und fortschreitend weitere Sachfächer einbezogen. Es wurden englisch- und französischsprachige Sequenzen in den Fächern Geschichte und Erdkunde in den Klassen 9 bis 12 unterrichtet, desgleichen im Fach Philosophie (seit Beginn den Schuljahres 2010/2011, in den Jahrgangsstufen 10 bis 13). Für die Fächer Pädagogik und Kunst sind englischsprachige Module seit diesem Schuljahr fest eingeführt, desgleichen in der Jahrgangsstufe 12 im Fach Biologie.

Da im Verlauf dieser Modulerprobung von den beteiligten Kollegen einmütig positive Rückmeldungen zu verzeichnen waren, ist das bilinguale Modulkonzept von der Schulkonferenz in diesem Schuljahr (2011/12) offiziell in die curriculare Gesamtgestaltung aufgenommen worden. Als besonders positiv wurden bei der Auswertung der Ergebnisse durch die Europaschulgruppe folgende Aspekte herausgestellt:

  • der modulare Ansatz ist flexibel (hinsichtlich der beteiligten Kollegen, Themen, Fächer)
  • der modulare Ansatz lässt eine Themenauswahl in den beteiligten Sachfächern zu, die in ein schulspezifisches europäisches Gesamtkonzept passt
  • der modulare Ansatz ermöglicht die Einbindung mehrerer Fremdsprachen (hier: Englisch und Französisch)
  • der modulare Ansatz ermöglicht eine austarierte individuelle Förderung, da durch den Gebrauch der Fremdsprache als Arbeitssprache die Anforderungsprofile für einzelne Schüler individuell zugeschnitten werden können
  • der modulare Ansatz ermöglicht (bei Bedarf) eine trilinguale Modulausrichtung, die insbesondere der Hochbegabtenförderung entgegenkommt, ohne dass leistungsdifferenzierte Gruppen oder Kurse eingerichtet werden müssen
  • der modulare Ansatz kann im Wunschfall für einzelne Schüler (über die Zeugnisbemerkung hinaus) für die Ausstellung eines Gesamtzertifikates über absolvierte bilinguale Module dienen


b) Modulfremdsprache als Arbeitssprache

Um die fachterminologische Kontinuität bei der Einführung und Verwendung bilingualer Module sicherzustellen, sind alle fremdsprachigen Fachtermini immer auch in deutscher Sprache präsent, sei es auch nur in einer Vokabelliste. Desgleichen werden phrasierbare fachtypische Ausdrucksweisen und Handlungsanweisungen (z.B. Textbearbeitung, Diskussionsführung, experimentelle Hinweise etc.) immer in beiden Sprachen angeboten. Das für fremdsprachlichen Unterricht mitunter typische Unterbinden der Verwendung der Muttersprache entfällt damit.

In allen Fällen wird die Fremdsprache als Gebrauchs- und Arbeitssprache eingesetzt, was bedeutet, dass deutschsprachige Unterrichtsanteile regelmäßig vorkommen und damit die Fremdsprache nicht zum Stolperstein des Fachverständnisses wird. Entsprechend sind Schwächen in der Fremdsprache nicht maßgebend (durchaus aber: akzentsetzend) für die Benotung in diesem Sachfach.

Im Rahmen  individueller Förderung können leistungsstarke Schüler eine nahezu ausschließliche Verwendung der Fremdsprache anstreben, während leistungsschwächere Schüler die Möglichkeit erhalten, auf muttersprachige Hilfestellungen zurückzugreifen. Ein fremdsprachiges Basisniveau wird vom Fachlehrer – zugeschnitten auf den Schwierigkeitsgrad der Sequenz – jeweils vorgegeben.


IV. Weitere Details im Überblick


  1. Erweitertes Fremdsprachenangebot
    1. Fremdsprachenunterricht
    2. Sprachzertifikate
  2. Bilinguale Angebote
    1. Bilinguale Module
      1. Tabellarische Übersicht
      2. Module im Detail
  3. Internationale Projekte und Partnerschaften 
    1. Projektorientierte Partnerschaften
    2. Europäische Projekte und Partnerschaften
      1. GGM im Gespräch
      2. Allons-y / Allons plus loin
      3. Europaprojekt Kunst: Provence und Camargue
      4. Big Challenge
      5. Prix des lycéens allemands
    3. Austauschprogramme
      1. Schüleraustauschprogramme
      2. Lehreraustauschprogramme
    4. Auslandspraktika
      1. Studieren in Europa: Universitäten präsentieren sich
      2. Round Table: Arbeiten in Deutschland und Europa
      3. Praktika im Ausland
  4. Europa im Unterricht 
    1. Naturschutz in Europa
    2. Europäischer Kurzfilm
    3. Politisch-literarische Utopien
    4. Mythologien und Herrschaft: eine Stichwortreise durch Europa
    5. Deutsch-französische Beziehungen im europäischen Kontext
  5. Sonstige Europaaktivitäten
    1. Französisch-Englischer Abend
    2. Europawoche der Grundschulen
    3. Freud in London

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 08. Juli 2012 um 16:52 Uhr